Band 7, Nummer 3, September 2000

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An outbreak of influenza A in a neonatal intensive care unit.

Cunney RJ et al. Infect Control Hosp Epidemiol 2000 ; 21 : 449-454.

Grippe-Epidemien wurden bisher bei Neugeborenen selten beschrieben. Der hier diskutierte Artikel berichtet über eine Epidemie, welche auf einer neonatologischen Intensivstation im Winter 1998 in Ontario auftrat. Sie verursachte erhebliche Morbidität sowie einen Todesfall.

Im Laufe von 18 Tagen entwickelten 19 von 54 Neugeborenen (35%) eine Infektion mit Influenza A, welche mittels Nachweis des Antigens im nasopharyngealen Sekret dokumentiert wurde. Dasselbe Virus (H3N2-Sidney) war gleichzeitig auch verantwortlich für eine in der Bevölkerung der Region ablaufende Epidemie. Bei 6 der 19 Neugeborenen verlief die Infektion symptomatisch und führte zu respiratorischen Zeichen (3), Fieber (1), pulmonalen Infiltraten (2), Hyperkapnie (4), erhöhtem Sauerstoffbedarf (4), Thrombozytopenie (2) und Hypoglykämie (1). Ein Neugeborenes, dessen Prognose bei Eintritt eigentlich gut war, verstarb am 23. Lebenstag an Komplikationen der Influenzainfektion. Trotz antiviraler Therapie mit Amantadin konnte das Influenzavirus im nasopharyngealen Sekret nachgewiesen werden und das Kind entwickelte eine nekrotisierende Enterokolitis, begleitet durch eine akute Niereninsuffizienz und eine Panzytopenie. Die postmortale Untersuchung von Lebergewebe ergab den Nachweis eines viralen Befalls. Die multivariate Analyse verschiedener Parameter identifizierte 2 unabhängige Risikofaktoren für die Erwerbung einer Grippe durch Neugeborene. Diese waren, Zwilling zu sein, bzw. mechanisch beatmet zu werden. Nur 15% der auf der Station arbeitenden Medizinalpersonen waren gegen Grippe geimpft (67% der Aerzte, 9% der Pflegenden ; P<0.001). Bei 14 Pflegenden wurden Symptome registriert, die mit einer Grippe vereinbar waren. Nur 4 dieser Personen unterbrachen wegen Krankheit die Arbeit.

Im Rahmen der Epidemie wurden vielfältige Kontrollmassnahmen eingeführt : Suche nach Virusantigen im nasopharyngealen Sekret der Neugeborenen jeden 2. bis 3. Tag, parenterale Amantadintherapie von Kindern mit Virusnachweis, Erstellen von Plexiglaswänden sowie Kohortierung der Fälle in 3 Gruppen mit fest zugewiesenem Personal (Positive, Kontakte der Positiven, Negative), Aufrechterhalten eines Unterdruckes in Bereichen, in denen Positive und Kontakte der Positiven gepflegt wurden, Amantadinprophylaxe des Personals, Aufnahmestop für Neueintritte, Arbeitsdispens für Personal mit Symptomen respiratorischer Infektionen, Verstärkung der allgemeinen Hygienemassnahmen.

Die Autoren heben hervor, dass die Epidemie von einem Virus ausging, welches aus der Gemeinde entweder durch Besucher oder Personal in die Intensivstation eingeschleppt wurde. Sie folgern, dass präventive Massnahmen sehr wichtig sind. Einerseits handelt es sich um die jährliche Impfung des Personals gegen Grippe, andererseits um das Fernhalten von Besuchern mit respiratorischen Symptomen während der intensivsten Phase der alljährlichen Grippeepidemie.

Nicolas Troillet und Christian Ruef