Pressemitteilung
Lausanne, 5 novembre 2021

SARS-CoV-2 in der Plazenta beim Menschen

Was passiert, wenn die menschliche Plazenta mit SARS-CoV-2 infiziert wird? Das Forscherteam von Dr. Marco Alves (Institut für Virologie und Immunologie IVI, Bern) und Prof David Baud (CHUV) konnte nachweisen, dass sich die Zellen der menschlichen Plazenta mit SARS-CoV-2 infizieren können. Das Virus kann sich dort rasch vermehren und die angrenzenden Plazentazellen infizieren. Die Resultate der Studie wurden im Wissenschaftsmagazin Cell Reports Medicine (Fahmi et al, 2021) veröffentlicht.

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« Dies ist ein enormer Fortschritt für das Verständnis von COVID-19 während der Schwangerschaft », sagt Marco Alves, Immunologe und Forschungsgruppenleiter beim IVI. « In der Plazenta können schnell Tausende infektiöse virale Partikel produziert werden. Ausserdem haben wir einen äusserst variablen und für jede Schwangerschaft individuellen Ausdruck des SARS-CoV-2-Rezeptors in der Plazenta beobachtet, was erklären könnte, warum das Virus manchmal auf den Fötus übergeht ».

Zu bedenken ist, dass bei Schwangeren im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung im gleichen Alter ein um 70 % höheres Risiko für eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 besteht. « Bei einer Ansteckung liegt das Risiko eines schweren Verlaufs mit Pflege auf der Intensivstation im Bereich von 5 bis 10 % », erklärt David Baud, Chef der Geburtshilfe am CHUV. Das Risiko einer Frühgeburt ist auch um 2- bis 3-mal höher. Gleichzeitig weiss man, dass das Sterblichkeitsrisiko des Fötus (Tod in utero) einer infizierten Schwangeren ebenfalls um 2- bis 3-mal höher ist. Schwangere und ihre Föten sind deshalb durch SARS-CoV-2 besonders gefährdet.

Die Studie des Forscherteams aus Bern und Lausanne bekräftigt damit die Empfehlung für Schwangere, sich impfen zu lassen. Bis heute haben schon Hunderttausende schwangere Frauen von einer mRNA-Impfung profitiert, ohne dadurch das Risiko für Mutter und Kind zu erhöhen. Tatsächlich dringt die mRNA nicht bis zum Fötus durch, obwohl die von der Mutter entwickelten Antikörper die Plazentaschranke passieren und damit Schutz für das Kind bieten. «Die Tatsache, dass das Virus die Plazenta infizieren und sich dort stark vermehren kann, zeigt die Notwendigkeit der Impfung», schliessen die Forscher. Die Impfung wird deshalb allen schwangeren Frauen in der Schweiz mit Nachdruck empfohlen.

Kontakte für Medienanfragen
Institut für Virologie und Immunologie IVI : communication(at)ivi.admin.ch / 058 481 38 88
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Institut Virologie und Immunologie in Kürze
Das Institut Virologie und Immunologie (IVI) ist das Institut des Bundes für die Diagnose, Kontrolle und Erforschung hochansteckender und bedeutender viraler Tierseuchen, einschliesslich viralen Zoonosen. Im Rahmen einer Kooperation mit der Vetsuisse Fakultät der Universität Bern ist das IVI für Lehre in Virologie und Immunologie verantwortlich. Das IVI ist dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) angegliedert.

Das CHUV in Kürze

Das CHUV gehört neben Genf, Bern, Basel und Zürich zu den fünf führenden Universitätspitälern der Schweiz. Es erfüllt drei Grundaufträge, die ihm vom Staat anvertraut werden: Behandlung, Ausbildung und Forschung. Es stellt Behandlungen in allen medizinischen Bereichen sicher: somatische Erkrankungen und psychiatrische Krankheiten, medizinische und chirurgische Fachrichtungen, ambulante und stationäre Behandlungen.

Das CHUV geniesst europaweit Ansehen und ist gleichzeitig ein Krankenhaus des Tertiärbereichs mit High-Tech-Ausstattung, ein regionales Spital für die Bevölkerung in der Agglomeration Lausanne sowie ein Fachzentrum für den gesamten Kanton Waadt und einen Grossteil der Westschweiz. Sein jährliches Budget beläuft sich auf 1,832 Milliarden Franken.

Dank seiner 12'228 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden 2021 im CHUV 51'205 Patientinnen und Patienten stationär behandelt, für mehr als 500'374 Hospitalisationstage. 80’261 Notfälle wurden behandelt, 1’451’300 ambulante Konsultationen sichergestellt und 3’177 Geburten durchgeführt.

Um die Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten sicherzustellen, arbeitet das CHUV eng mit der biologischen und medizinischen Fakultät der Universität Lausanne zusammen. Es kooperiert ausserdem mit anderen Hochschuleinrichtungen aus der Genferseeregion (EPFL, ISREC, Institut Ludwig, Universität Genf), dem Universitätskrankenhaus Genf sowie anderen Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Institutionen, wie beispielsweise der Fédération des hôpitaux vaudois (Vereinigung der Waadtländer Spitäler) und der Société vaudoise de médecine (Waadtländer Gesellschaft für Medizin).

Seit 2019 gehört das CHUV laut dem Nachrichtenmagazin Newsweek zu den besten Krankenhäusern weltweit.